BMFTR-Förderlinie "Forschung zu nicht-staatlichen Hochschulen"
Etwa jeder siebte Studierende in Deutschland war im Wintersemester 2024/2025 an einer nicht-staatlichen Hochschule eingeschrieben. Die Zahl der Studierenden hat sich seit Mitte der neunziger Jahre mehr als verzwanzigfacht. Die größte Hochschule Deutschlands befindet sich inzwischen in privater Trägerschaft, 71 der aktuell 110 nicht-staatlichen Hochschulen wurden im neuen Jahrtausend gegründet. In der Forschung wurden die nicht-staatlichen Hochschulen bisher dennoch recht wenig beachtet. Das hat sich geändert: Unter anderem mit der BMFTR-Förderlinie "Forschung zu nicht-staatlichen Hochschulen", deren Projekte sich nun zur Abschlusstagung in Lutherstadt Wittenberg trafen. Welche Rolle nicht-staatliche Hochschulen in Ihren Regionen spielen, warum Sie manchmal auch schnell wieder verschwinden und was staatliche Hochschulen von privaten lernen können - das erzählen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Pageflow.
Was ist überhaupt eine nicht-staatliche Hochschule? Es gibt im Wesentlichen zwei Kategorien der nicht-staatlichen Hochschulen in Deutschland: Die Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft sowie die privaten Hochschulen, die von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen getragen werden. Die meisten privaten Hochschulen in Deutschland sind nicht gewinnorientiert aufgestellt, einige sind zum Beispiel als Gesellschaft mit beschränkter Haftung, andere als gemeinnützige GmbH oder als Stiftung bürgerlichen Rechts organisiert.
In diesem Kapitel schauen wir in Zahlen auf die privaten Hochschulen. Inzwischen sind mehr als ein Viertel der deutschen Hochschulen in privater Trägerschaft. Viele dieser privaten Hochschulen sind eher klein, das zeigt sich auch an der Studierendenzahl: 13 Prozent der Studierenden in Deutschland sind an einer privaten Hochschule eingeschrieben.
Die privaten Hochschulen sind auch in ihrer Studierendenzahl sehr unterschiedlich. Die größte Hochschule Deutschlands ist eine private - dann werden die Zahlen jedoch schnell kleiner.
IU Internationale Hochschul, FH/HA, 116.296 Studierende
FOM Hochschule für Oekonomie & Managemen, FH/HAW, 47.098 Studierende
Hochschule Fresenius, FH/HAW, 16.049 Studierende
Hamburger Fern-Hochschule, gemeinnützige GmbH, FH/HAW, 14.426 Studierende
Europäische Fernhochschule Hamburg, FH/HAW, 10.034 Studierende
Wo sich private Hochschulen ansiedeln: In großen Städten.
Und: Private Hochschulen sind im Vergleich zu den meisten staatlichen Hochschulen eher jung.
Der Blick auf erste Daten zeigt, dass sich private Hochschulen von staatlichen unterscheiden. Aber wo liegt der Unterschied genau? Und wie kam es überhaupt zum Wachstum der privaten Hochschulen in Deutschland? Darauf werfen wir in diesem Kapitel einen Blick.
Die Entwicklung der privaten Hochschulen in Deutschland, sagt Alexander Mitterle von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, lief in vier Phasen ab. In der ersten Phase, in den 70er Jahren, entstanden private Hochschulen vor allem aus beruflichen Schulen, die im Zuge der ersten Bildungsexpansion zu Fachhochschulen hochgestuft werden.
In der zweiten Phase in den 80er wird das Geld knapper - und die privaten Hochschulen verstehen sich zum ersten mal als Unternehmen.
Ab den 2000ern, in der dritten Phase, verändert Bologna auch für die privaten Hochschulen vieles.
In der vierten Phase konsolidisieren sich die privaten Hochschulen.
Private Hochschulen befinden sich stetig im Wandel. Sie verändern Ihr Angebot, streichen Fächer, fügen neue hinzu, schließen und eröffnen neue Standorte. Dieser Wandel, sagt Alexander Mitterle vom Projekt M-Transform, sei so gewollt, der private Hochschulsektor soll vor allem durch eine starke Innovationsfähigigkeit geprägt sein.
Der Hochschulsektor in Deutschland wird von staatlichen Einrichtungen dominiert. Die privaten Hochschulen bewegen sich oft in Nischen. Diese Nischen sind zum Beispiel berufsbegleitende Studiengänge, die von den nicht-staatlichen Hochschulen als Fern- oder Teilstudium angeboten werden, insbesondere in den Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Die privaten Hochschulen bieten hier zahlreiche Angebote für diejenigen an, die eher als atypische Studierende gelten. Dies sind etwa ältere Studierende, die sich berufsbegleitend weiterqualifizieren wollen. Lebenslanges Lernen, sagt Annika Maschwitz von der Hochschule Bremen, sei ein Thema, das an privaten Hochschulen sehr wichtig sei.
Private Hochschulen müssen sich selbst tragen. Das heißt: Sie müssen Studierende davon überzeugen, an ihrer Hochschule für das Studium Gebühren zu bezahlen.
Welchen Einfluss hat eine private Hochschule auf die Entwicklung der Wirtschaft in ihrer Region? Diese Frage hat sich Torben Schubert vom Projekt PHOEBUS gestellt. Eine erste Antwort: Die Gründung eines Campus einer privaten Hochschule in einer Region führt im Durchschnitt zu einer Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts eben in dieser Region von 1, 5 bis etwa 2 Prozent. Deutlich interessanter wird es aber, wenn man, wie wir in diesem Kapitel, noch tiefer schaut.
hat die Ansiedlung einer privaten Hochschule vor allem auf dem Land.
Und das, sagt Torben Schubert, obwohl private Hochschulen oft sehr kleine Campi auf dem Land führen. Und sie nicht, wie etwa etablierte Universitäten, schon seit vielen Jahren ein zentraler Player regionaler Innovationssysteme sind.
Das zeigt auch eine Übersicht, die Hendrik Berghäuser für sein Projekt nsh_inno erarbeitet hat.
Nicht-staatliche Hochschulen sind im Durchschnitt deutlich weniger forschungsstark als staatliche. Das spiegelt sich auch im Wissenstransfer wider, der stärker lehr- als forschungsorientiert ist. Entsprechend gibt es weniger forschungsbezogene Transferaktivitäten.
Dafür sind vor allem zwei Faktoren entscheidend: Zum einen haben viele, insbesondere private Hochschulen, nur eingeschränkten Zugang zu staatlicher Forschungsförderung. Zum anderen sind die meisten nichtstaatlichen Hochschulen Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Diese betreiben traditionell weniger Forschung als Universitäten.
Und warum machen private Hochschulen überhaupt Transfer?
Rund 13 000 Professorinnen und Professoren arbeiten in Deutschland an privaten Hochschulen - zu sehr unterschiedlichen Bedingungen. Was macht diese aus?
Eine Professur an einer privaten Hochschule unterscheidet sich in mehreren Punkten von einer Professur an einer staatlichen Universität oder Hochschule für angewandte Wissenschaften. Der wesentlichste Unterschied betrifft das Beschäftigungsverhältnis. Während Professorinnen und Professoren an staatlichen Hochschulen häufig verbeamtet werden und ihre Besoldung nach den W-Besoldungsgruppen erfolgt, sind Professorinnen und Professoren an privaten Hochschulen in der Regel Angestellte der jeweiligen Hochschule. Sie schließen Arbeitsverträge ab und unterliegen dem allgemeinen Arbeitsrecht. Daraus ergeben sich andere Rahmenbedingungen hinsichtlich Vergütung, Kündigungsschutz, Arbeitszeitregelungen und Karriereentwicklung. Wie wirkt sich das auf die Zufriedenheit aus? Damit hat sich Alena Klenke aus dem Projekt ProPriHo beschäftigt.
Die Berufungsverfahren an privaten Hochschulen verlaufen häufig schneller und weniger formalisiert als an staatlichen Hochschulen. Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräche, Lehrproben und Präsentationen bilden oftmals die zentralen Elemente des Auswahlprozesses. Die Verfahren dauern nicht selten nur wenige Monate. Gleichzeitig wird großer Wert auf die Fähigkeit gelegt, Studierende praxisnah zu unterrichten und berufliche Erfahrungen in die Lehre einzubringen.
Die Vergütung von Professorinnen und Professoren an privaten Hochschulen unterliegt keinen einheitlichen Besoldungstabellen. Die Gehälter werden individuell vereinbart und können je nach Fachgebiet, Erfahrung, Hochschule und Verantwortungsbereich erheblich variieren. In einigen Fällen liegen die Einkommen unterhalb staatlicher W-Besoldungen, während renommierte private Hochschulen oder wirtschaftsnahe Einrichtungen deutlich höhere Gehälter anbieten können. Leistungsbezogene Vergütungsbestandteile und individuelle Vereinbarungen sind dabei nicht ungewöhnlich.
Sie wollen mehr zu den nicht-staatlichen Hochschulen wissen? Dann laden wir Sie herzlich ein, sich den 27. April 2027 vorzumerken: An diesem Tag findet die Veranstaltung „Private Hochschulen nach der Wachstumsphase: Konsolidierung, Profile und Perspektiven. Transfertagung zur BMFTR-Förderlinie „Forschung über nicht-staatliche Hochschulen“ statt.
Die Veranstaltung findet auf der Tagungsebene des BMFTR, Kapelle-Ufer 1, 10117 Berlin, statt. Sie beginnt um 10:00 Uhr und endet um 16:30 Uhr.
Die Transfertagung bietet die Möglichkeit, sich über die Ergebnisse der geförderten Forschungsprojekte zu informieren und diese gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Praxis in verschiedene Kontexte einzuordnen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu Transferpotenzialen sowie die Diskussion von Anschlussfragen für Praxis, Politik und Forschung. Die im Juli 2026 vom Wissenschaftsrat vorgelegten „Empfehlungen zur Weiterentwicklung des privaten Hochschulsektors“ werden im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt und in die Diskussion der Forschungsergebnisse einbezogen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Austausch: Neben Impulsen und einer Podiumsdiskussion sind am Nachmittag interaktive Formate vorgesehen, in denen die Ergebnisse der Förderlinie mit den einzelnen Projekten vertieft diskutiert werden. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung folgen.
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